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Eingliederung mit Ecken und Kanten
Samstag, den 09. Oktober 2010 um 14:57 Uhr
In der mit Abstand am meisten gestellten Frage seit unserer Rückkehr nach Wien: „Wie geht es euch jetzt zurück in Österreich?“ meinen wir ab und dann einen schadenfrohen Unterton wahrzunehmen. Ungeachtet dessen ist das Ausmaß unerwarteter Hilfestellungen vieler Freunde, von Wolfgangs Mutter Gudrun angefangen, für uns verblüffend, teilweise berührend. Nachdem der Pegelstand der Haushaltskassa noch unbefriedigend tief ist, nehmen wir diese Bereitschaft, uns unter die Arme zu greifen und unseren Alltag in die Gänge zu bringen, dankbar an.

Wochenlang karren wir Kisten, Taschen und Kartons in die Wohnung, der wir nach den Jahren der Vermietung wieder unseren Stempel aufzudrücken versuchen und die wir Tag für Tag ein wenig mehr nach unseren Vorstellungen gestalten.
Dieser Prozess ist natürlich am ersten Schultag, sprich Arbeitstag, nicht abgeschlossen. Der Wiedereinstieg in die Arbeitswelt gestaltet sich mühsamer und anstrengender als erwartet. Wir vermissen die gewohnte Routine, arbeiten umständlich, ineffizient, und die für den Beruf so wichtige Eloquenz ist ein wenig eingerostet - trotzdem sind wir zuversichtlich, bald wieder zu alter Form zu finden.

Der Weg zurück in den heimatlichen Alltag kostet viel Energie und lässt kaum Zeit, in Erinnerungen an die abgelaufenen drei Jahre zu schwelgen, dafür verwandeln die mitgebrachten Artefakte unsere Wohnung in ein Minimundus - Völkerkundemuseum. Etliche Masken und Skulpturen, von den Wänden ein wenig obszön in den Raum ragende Penisköcher und vor allem der von Wolfgangs Mutter nach Evis Plänen gefertigte Mola – Wandteppich vergegenwärtigen aber die zahlreichen intensiven Eindrücke aus den verschiedenen Kulturregionen unserer Weltumsegelung.

Wir hoffen, dass die Routine eines geregelten Lebensrhythmus bald die Köpfe freimacht, um uns der Vorbereitung einer Multivisionsshow und der Weiterführung unseres Buches widmen zu können. Auch wir wollen ein wenig unsere Seelen auf Reisen schicken, Sehnsüchte nach fernen Inseln im Pazifik wecken und vielleicht den ein oder die andere AbenteurerIn dazu verleiten, Segel zu setzen, ein kleines Risiko einzugehen, um letztlich frei und Herrscher der eigenen Zeit zu werden. Bernard Moitessier konnte dies wie kein anderer...
Die Flagge des Österreichischen Hochsee Yacht Clubs ist jedenfalls am „Steuerbord“ – Pfosten der Pergola gesetzt und versinnbildlicht unsere geistige Verbundenheit zur See.

Trotz allen Fernwehs wollen wir nicht vergessen, worauf wir uns seit langem auch gefreut haben: Waschmaschine, Geschirrspüler, Mikrowellenherd, fließendes (warmes) Wasser oder Toilettenspülung auf Knopfdruck erleben wir als dekadenten Luxus und - last but not least - schließen wir jetzt bei aufziehendem Gewitter die Terrassentür, entfachen ein Feuer im Kaminofen und betrachten die Blitze durch die Doppelglasscheiben...



 

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